Milchpumpe kaufen: Die umfassende Anleitung einer Hebamme – Worauf du beim Kauf wirklich achten musst
- Barbara Loosli Schnell | Hebamme FH

- 16. März
- 7 Min. Lesezeit
Die Entscheidung, eine Milchpumpe zu kaufen, ist für viele frischgebackene Mütter ein wichtiges Thema in der Stillzeit. Ob zur Unterstützung beim Stillen, zur Stimulation der Muttermilch, zur Entleerung der Brust oder um Muttermilch für später aufzubewahren – eine gute Milchpumpe kann den Alltag erheblich erleichtern.
Doch die Auswahl auf dem Markt ist groß. Elektrische Milchpumpen, manuelle Pumpen, Handsfree Milchpumpen, Doppelmilchpumpen oder Stimulationspumpen – die Unterschiede sind erheblich. Viele Mütter stellen sich deshalb die Frage:
Welche Milchpumpe ist die richtige für mich?
Aus Sicht von Hebammen, Stillberaterinnen und Physiotherapeuten gibt es einige entscheidende Kriterien, die beim Kauf einer Milchpumpe beachtet werden sollten. In diesem umfassenden Leitfaden erfährst du, worauf du wirklich achten musst, welche Qualitätsmerkmale wichtig sind und wie du die passende Milchpumpe für deine persönliche Situation findest.

Wann sollte man eine Milchpumpe kaufen?
Ein häufiger Fehler besteht darin, bereits vor der Geburt eine Milchpumpe zu kaufen. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht notwendig.
Der Grund dafür ist einfach: Erst nach der Geburt zeigt sich, ob und welche Art von Milchpumpe überhaupt benötigt wird.
Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle:
Wie gut dein Baby an der Brust trinkt
Ob genügend Muttermilch produziert wird
Ob dein Baby eventuell zu früh geboren wurde
Ob du bald wieder arbeiten möchtest
Ob du regelmäßig Muttermilch abpumpen möchtest
In vielen Fällen reicht zunächst das direkte Stillen an der Brust aus. Hebammen und Stillberaterinnen empfehlen grundsätzlich, wenn möglich, das Baby direkt zu stillen, da dies die natürlichste und effektivste Form der Milchbildung darstellt.
Eine Milchpumpe wird meist erst dann benötigt, wenn:
die Milchbildung angeregt werden muss
die Brust regelmäßig entleert werden soll
das Baby nicht effektiv saugen kann
Muttermilch auf Vorrat abgepumpt werden soll
Deshalb ist es sinnvoll, sich zunächst beraten zu lassen, bevor eine Milchpumpe gekauft wird.
Da für Hebammen, wie auch für Stillberaterinnen wann immer möglich das direkte Stillen des Kindes an der Brust im Vordergrund stehen sollte, wird in diesem Artikel ganz bewusst keine Werbung für eine Milchpumpenmarke gemacht.
Dieser Artikel soll helfen die für sie zugeschnittene Milchpumpe bei Stimulation von Muttermilch / und oder das Abpumpen von Muttermilch zu finden.
Auch welche Qualitätsmerkmale muss ich beim Kauf einer Milchpumpe achten?
Achten sie darauf das die Milchpumpe ein Typenschild besitzt.
Auf diesem Typenschild findest du
CE -Zeichen
Kennnummer der benannten Stelle für die Zulassung und das jährliche Audit
Hersteller
Produktename

Welche Milchpumpen empfehlen Hebammen und Stillberaterinnen?
Hebammen und Stillberaterinnen verfolgen ein klares Ziel: Das direkte Stillen soll im Vordergrund stehen.
Eine Milchpumpe ist daher in erster Linie ein Hilfsmittel zur Unterstützung des Stillens, nicht unbedingt ein Ersatz.
Aus diesem Grund wird in diesem Artikel bewusst keine Werbung für bestimmte Marken oder Hersteller gemacht.
Stattdessen geht es darum, dir zu erklären:
welche Arten von Milchpumpen es gibt
welche Qualitätsmerkmale eine gute Milchpumpe erfüllen muss
welche Pumpe sich für deine individuelle Situation eignet
Denn nicht jede Milchpumpe auf dem Markt erfüllt die Anforderungen für eine effektive und sichere Entleerung der Brust.

Woran erkennt man eine hochwertige Milchpumpe?
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist zunächst die Kennzeichnung als Medizinalprodukt.
Achte beim Kauf unbedingt darauf, dass die Milchpumpe ein Typenschild besitzt. Auf diesem Typenschild sollten mehrere wichtige Angaben zu finden sein.
Dazu gehören:
CE-Zeichen
Kennnummer der benannten Stelle
Hersteller
Produktname
Modellbezeichnung
Das CE-Zeichen zeigt an, dass das Produkt den europäischen Sicherheitsanforderungen entspricht.
Besonders wichtig ist die Kennnummer unter dem CE-Zeichen. Diese bestätigt, dass das Produkt von einer sogenannten benannten Stelle geprüft und zugelassen wurde. Diese Institution überwacht außerdem regelmäßig die Qualität der Produktion.
Eine hochwertige Milchpumpe muss zudem über eine Konformitätserklärung des Herstellers verfügen. Diese bestätigt, dass das Produkt allen medizinischen Sicherheitsanforderungen entspricht.
Diese Konformitätserklärung gilt nicht nur für die Milchpumpe selbst, sondern auch für das Original-Zubehör, insbesondere für das Pumpset und die Milchauffangbehälter.

Offenes oder geschlossenes System bei Milchpumpen
Ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal ist das System der Milchpumpe.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:
offenen Systemen
geschlossenen Systemen
Aus hygienischer Sicht empfehlen Fachpersonen eindeutig geschlossene Systeme.
Bei einer hochwertigen Milchpumpe sind der Motorraum und das Milchauffangsystem voneinander getrennt. Zwischen diesen beiden Bereichen befindet sich eine Membran oder ein Ventilsystem.
Dieses System verhindert, dass:
Muttermilch in den Motor gelangt
Bakterien oder Feuchtigkeit in das Gerät eindringen
Substanzen aus dem Motor in die Muttermilch gelangen
Ein geschlossenes System sorgt daher für maximale Hygiene und Sicherheit beim Abpumpen von Muttermilch.
Vakuum und Saugrhythmus – entscheidend für eine gute Milchpumpe
Ein sehr wichtiger Qualitätsindikator ist das Vakuum und der Saugrhythmus der Milchpumpe.
Professionelle Milchpumpen orientieren sich am natürlichen Saugrhythmus eines Babys.
Das maximale zulässige Vakuum einer Milchpumpe ist in der Medizinalprodukteverordnung festgelegt.
Laut Norm DIN EN ISO 10079 darf das Vakuum 330 mbar nicht überschreiten.
Ein gutes Gerät ermöglicht eine individuelle Einstellung des Vakuums, sodass jede Mutter den optimalen und angenehmen Pumpdruck einstellen kann.
Neben dem Vakuum spielt auch die sogenannte Zyklusfrequenz eine wichtige Rolle.
Diese beschreibt den Saugrhythmus der Milchpumpe pro Minute.
Professionelle Milchpumpen verfügen meist über zwei verschiedene Modi:
Stimulationsmodus
Dieser simuliert das schnelle Saugen eines Babys zu Beginn der Stillmahlzeit.
Typischer Rhythmus:
70 bis 120 Zyklen pro Minute
Dieser Modus dient dazu, den Milchspendereflex auszulösen.
Abpumpmodus
Sobald die Milch zu fließen beginnt, wird auf einen langsameren Rhythmus gewechselt.
Typischer Rhythmus:
40 bis 60 Zyklen pro Minute
Dieser Modus unterstützt die effektive Entleerung der Brust.
Hochwertige Milchpumpen bieten zusätzlich die Möglichkeit, Vakuum und Zyklus unabhängig voneinander einzustellen.
Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist eine Haltephase im Saugrhythmus. Diese kurze Pause im Saugzyklus ermöglicht es der Milch, besser zu fließen.

Die richtige Brusthaubengröße – ein entscheidender Faktor
Ein oft unterschätzter Faktor beim Abpumpen ist die Größe der Brusthaube.
Die Brusthaube ist der Teil der Milchpumpe, der auf die Brust gesetzt wird.
Da jede Frau unterschiedliche Brustwarzen hat, ist es entscheidend, dass die Größe der Brusthaube individuell passt.
Eine falsch gewählte Brusthaube kann mehrere Probleme verursachen:
Schmerzen beim Abpumpen
unzureichende Entleerung der Brust
Verletzungen der Brustwarze
verringerte Milchproduktion
Deshalb empfehlen Hebammen und Stillberaterinnen, die richtige Größe gemeinsam mit einer Fachperson zu bestimmen. Eine falsch gewählte Brusthaubengröße kann unter Umständen auch zu Verletzungen der Brustwarzen führen, was sehr schmerzhaft sein kann.
Wird die Milchpumpe ohne Beratung durch eine Fachperson wie eine Hebamme oder Stillberaterin erworben, gelten folgende Richtlinien für die Wahl des richtigen Brusthaubenaufsatzes.
Anleitung zur Wahl der richtigen Brusthaubengröße
Um die richtige Größe zu bestimmen, muss zunächst der Durchmesser der Brustwarze gemessen werden. Anschließend werden 4 mm zu diesem Durchmesser addiert.
So kann die passende Brusthaubengröße ermittelt werden.
Dabei gilt: Befindet man sich zwischen zwei Haubengrößen, sollte immer die größere Brusthaubengröße gewählt werden.
Beispiel: Hat die Brustwarze einen Durchmesser von 18 mm, wird eine Brusthaube in der Größe 22 mm benötigt.
Da viele Hersteller keine Brusthauben in der Größe 22 mm anbieten, wird in diesem Fall die nächstgrößere verfügbare Größe gewählt, also 24 mm.

Anleitung zur Bestimmung der richtigen Brusthaubengröße
Wenn keine persönliche Beratung möglich ist, kann die Größe auch selbst bestimmt werden.
Dafür wird zunächst der Durchmesser der Brustwarze gemessen.
Anschließend werden 4 Millimeter hinzugefügt.
Die Formel lautet also:
Durchmesser der Brustwarze + 4 mm = passende Brusthaubengröße
Beispiel: Durchmesser der Brustwarze: 18 mm
18 mm + 4 mm = 22 mm Brusthaube
Da viele Hersteller keine 22-mm-Hauben anbieten, wird in diesem Fall die nächstgrößere Größe (24 mm) gewählt.
Grundsätzlich gilt:
Wenn du zwischen zwei Größen liegst, wähle immer die größere Brusthaube.
Besonderheiten bei Handsfree Milchpumpen
Moderne Handsfree Milchpumpen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.
Diese Pumpen werden direkt im BH getragen und ermöglichen es, während des Abpumpens andere Tätigkeiten zu erledigen.
Allerdings bieten viele dieser Modelle derzeit nur zwei Standardgrößen für Brusthauben.
Falls deine benötigte Größe nicht im Pumpset enthalten ist, solltest du unbedingt beim Hersteller nachfragen, ob passende Ersatz- oder Zusatzhauben erhältlich sind.

Welche Milchpumpe eignet sich für die Milchstimulation?
In manchen Situationen muss die Milchproduktion zunächst angeregt werden.
Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn:
das Baby in den ersten Tagen nicht effektiv saugt
das Baby zu früh geboren wurde
das Baby noch zu schwach ist, um ausreichend zu trinken
In solchen Fällen wird eine sogenannte Stimulationspumpe verwendet.
Diese Milchpumpen sind speziell dafür entwickelt, den Milchspendereflex auszulösen und die Milchbildung zu fördern.
Professionelle Stimulationspumpen verfügen über besonders flexible Einstellungen für:
Vakuum
Saugrhythmus
Pumpdauer
Diese Geräte befinden sich meist im höheren Preissegment.
Milchpumpe zum Abpumpen bei ausreichender Milchproduktion
Wenn bereits genügend Muttermilch vorhanden ist, wird eine Milchpumpe meist zur regelmäßigen Entleerung der Brust verwendet.
Dies ist häufig der Fall, wenn:
die Mutter wieder arbeiten geht
das Baby zeitweise betreut wird
Muttermilch eingefroren werden soll
In diesem Fall reicht oft eine Erhaltungspumpe, die vor allem zur Milchgewinnung und Lagerung eingesetzt wird.
Diese Geräte sind meist etwas günstiger als professionelle Stimulationspumpen.
Einzelpumpe oder Doppelmilchpumpe?
Ein weiterer wichtiger Punkt beim Kauf einer Milchpumpe ist die Frage:
Einseitig oder beidseitig pumpen?
Viele moderne Geräte ermöglichen das gleichzeitige Abpumpen beider Brüste.
Dies hat mehrere Vorteile:
stärkere Stimulation des Hormons Prolaktin
schnellere Entleerung der Brust
höhere Milchmenge
Besonders beim Stimulationspumpen ist das beidseitige Pumpen sehr effektiv.

Kostenübernahme durch Krankenkassen
In der Schweiz übernehmen viele Krankenkassen einen Teil der Kosten für eine Milchpumpe.
Allerdings gibt es einige Voraussetzungen.
In der Regel wird eine Kostenbeteiligung nur für Doppelmilchpumpen gewährt.
Außerdem wird meist ein ärztliches Rezept benötigt.
Die Kostenübernahme liegt häufig bei etwa 180 CHF, kann jedoch je nach Krankenkasse variieren.
Es empfiehlt sich daher, vor dem Kauf direkt bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen.

Fazit: Die richtige Milchpumpe finden
Der Kauf einer Milchpumpe sollte gut überlegt sein. Nicht jede Pumpe eignet sich für jede Situation.
Wichtige Kriterien bei der Auswahl sind:
medizinische Zertifizierung
geschlossenes System
individuell einstellbares Vakuum
realistische Saugrhythmen
passende Brusthaubengröße
Möglichkeit zum Doppelabpumpen
Am wichtigsten ist jedoch die individuelle Beratung durch eine Hebamme oder Stillberaterin.
Sie kann beurteilen, welche Milchpumpe am besten zu deiner Situation passt und dich dabei unterstützen, das Stillen und Abpumpen optimal zu kombinieren.

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